Durch die aktuell anhaltende Schönwetterphase kam es jüngst vielerorts zu starkem Schädlingseinflug bzw. hält dieser noch an.
Bekämpfungsrichtwert für den Kohlschotenrüssler überschritten
In den blühenden Rapsbeständen wurden jüngst verstärkt Kohlschotenrüssler (meist ca. 1-5 Käfer je Haupttrieb) festgestellt.
Noch nicht blühende Bestände haben kaum Lockwirkung (fehlende gelbe Farbe) auf die Rüssler. Entsprechend ist hier die Lage ruhig.
Der Bekämpfungsrichtwert von 1 Kohlschotenrüssler pro Pflanze ist vielerorts überschritten.
Sobald Schoten gebildet werden, beginnen die Käfer ein Loch einzufressen und Eier abzulegen.
Eine Larve des Rüsslers frisst ca. 3 bis 4 Samen in einer Schote.
Stärkere Schäden entstehen anschließend durch die Kohlschotenmücke. Eine Behandlung gegen die Rüssler macht Sinn, wenn auch die Kohlschotenmücke auftritt.
Dies ist aktuell nicht bei allen Flächen der Fall und stark vom einzelnen Standort abhängig.
Aktuelle Empfehlung:
Eigene Bestände auf Kohlschotenrüssler überprüfen (Bekämpfungsrichtwert 1 Kohlschotenrüssler / Pflanze bei Auftreten der Kohlschotenmücke)
Ausklopfen der Blütenstände des Haupttriebes in Schale
Bei warmem, sonnigem Wetter
Im Optimalfall an 10 Stellen über den Bestand verteilt, jeweils mindestens 2 Pflanzen
Wichtig: Randbereiche und das Schlaginnere prüfen. Die Rüssler wandern von den Rändern ein
Häufig reichen Randbehandlungen, wenn im Inneren des Schlags der Besatz gering ist.
Bei sehr starkem Besatz (ab ca. 3 Rüssler je Pflanze) kann eine Behandlung Sinn ergeben, auch wenn die Kohlschotenmücke aktuell noch nicht sicher vorhanden ist, da sie a) schwer erkennbar ist - insbesondere bei Wind und b) erst noch verstärkt auftreten kann nachdem bereits Löcher in die Schoten eingefressen wurden.
Bei Notwendigkeit der Behandlung
Applikation von Mavrik Vita/Evure falls erst vereinzelte Blüten geöffnet sind und auch Rapsglanzkäfer bekämpft
werden sollen.
mit einem Klasse 2 Pyrethroid (bspw. Karate Zeon) wenn kaum Rapsglanzkäfer vorkommen sind oder keine Schäden mehr verursacht
werden und noch keine Rüsslerbehandlung mit Klasse 2 Pyrethroid erfolgt ist.
Behandlungen am besten am Abend nach dem Bienenflug auch wenn das Mittel mit B4 als bienenungefährlich gekennzeichnet ist.
Wirtschaftlichkeit prüfen
Die flächige Bekämpfung von Schotenschädlingen knapp am Bekämpfungsrichtwert ist nicht immer wirtschaftlich,
lediglich Randbehandlungen oder das Auslassen von Behandlungen können in manchen Fällen die bessere Entscheidung sein. U.a.
sollte folgendes bei der Abwägung mit einfließen:
Ca. 6% Durchfahrtverluste möglich
Treibstoffkosten heuer relevant
Häufig in der Praxis unklar, ob und wie stark die Kohlschotenmücke vorkommt
Starker Neuzuflug von Rapsglanzkäfern
Neben den Kohlschotenrüsslern kam es auch zu einem erneuten Starkzuflug von Rapsglanzkäfern.
Ob eine Bekämpfung nötig ist, hängt aktuell vor allem vom Entwicklungsstadium ab.
In Beständen ohne offene Blüten (meist späte Septembersaaten oder Höhenlagen)
Behandlungen bei überschrittenem Bekämpfungsrichtwert ratsam (10 Käfer/Haupttrieb, 5 Käfer/Haupttrieb in schwachen
Beständen).
Mittelwahl: Mospilan oder Danjiri wenn keine blühenden Unkräuter und kein Bienenflug vorhanden sind, ansonsten Trebon, Mavrik
Vita oder Evure.
In Beständen mit vereinzelt ersten offenen Blüten
Bei überschrittenem Bekämpfungsrichtwert Kontrolle der Knospen auf Fraßschäden
> 10% offene Blüten werden zügig innerhalb ca. 5 Tagen erreicht
à meist keine Behandlung nötig außer bei extremem Starkbefall oder deutlichen Fraßschäden
Blüte läuft sehr zögerlich ab und es liegen erste Fraßschäden an Knospen vor à Behandlung sinnvoll
Mittelwahl: Trebon, Mavrik Vita oder Evure
In Beständen mit > 10 % offener Blüten
idR. kein Behandlungsbedarf
Fungizidbehandlung gegen Weißstängeligkeit (Sklerotinia)?
Bei anhaltend trockener Witterung meist eher geringes Infektionspotential, Wetterprognose beachten (feucht-kühle Witterung zur
Blüte ist gefährlich)
Bei Regen zur Blüte wirtschaftliche Abschätzung mit SkleroPro sinnvoll
Bei Tankmischung mit Insektiziden Bienenschutz beachten durch Erhöhung der Bienengefährdungsklasse
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Landwirtschaftsamt
Landratsamt Esslingen
Landwirtschaftsamt
Sachgebiet Produktion und Ernährung